Kontext und Ziele

Laut der ICCO (International Cocoa Organisation) wird die weltweite Kakaoproduktion für die Saison 2021/2022 auf 4,9 Millionen Tonnen geschätzt. Die Produktion ist in den letzten 40 Jahren aufgrund der starken Nachfrage der Verbraucherländer, insbesondere der europäischen Länder, gestiegen.

Ein Großteil der weltweiten Produktion ist auf die Elfenbeinküste und Ghana konzentriert, auf die 60 % der weltweiten Produktion entfallen. Laut dem Kakao-Barometer 2022 werden 92 % des Kakaovolumens über die sechs größten Unternehmen abgewickelt, wobei Valrhona nur 0,15 % der weltweiten Produktion ausmacht.

Der Kakaomarkt ist volatil, da er zahlreichen Preisschwankungen unterliegt, die mit politischen Ereignissen, klimatischen Unwägbarkeiten, Über- oder Unterproduktion in den Anbauländern, Spekulation, der Nachfrage neuer Verbraucher etc. zusammenhängen.

Zum besseren Verständnis: Die Kakaobranche, die die Kakaobohne und ihre Derivate (Pulver, Likör, Butter) umfasst, ist in drei Teile gegliedert:

  • Einem vorgelagerten Teil, der die Anpflanzung des Kakaobaums und dessen Bewirtschaftung, die Ernte der Kakaobohnen, die Fermentierung und die Trocknung umfasst. Diese Aktivitäten finden überwiegend in den geografischen Gebieten des tropischen Gürtels der Erde statt. Im Kakao-Barometer 2022 wird die durchschnittliche Betriebsgröße in den wichtigsten Erzeugerländern auf 2 bis 5 Hektar geschätzt.
  • Einem primären nachgelagerten Teil, der die Verarbeitung der Rohbohne, die in der Schokoladenindustrie verwendet wird (Reinigen, Trocknen, Rösten, Schälen und Mahlen), umfasst. 
  • Einem sekundären nachgelagerten Teil, der die Herstellung von Schokolade und anderen Nebenprodukten umfasst.

Valrhona agiert im nachgelagerten Teil und hat sich dafür entschieden, seinen ganzen Kakao überwiegend (94 %) von Produzenten zu kaufen, die in Kooperativen und Vereinigungen zusammengeschlossen sind.

Coopérative Millot Madgascar

Der vorgelagerte Teil trägt zum Lebensunterhalt von 40–50 Millionen Menschen weltweit bei, darunter 4,5 Millionen Produzent:innenfamilien und 14 Millionen Landarbeiter:innen.

Ohne langfristige Partnerschaftsverträge, wie sie von Valrhona abgeschlossen werden, ist es den kleinen Produzenten aufgrund der Struktur des Weltmarkts, der von wenigen Akteuren beherrscht wird, nicht möglich, Einfluss auf die Preise zu nehmen. Die schwankenden Weltmarktpreise für Kakao verhindern, dass diese Kleinbauern ihr Einkommen sichern und in bessere landwirtschaftliche Methoden investieren können.

Aus diesem Grund haben die Länder Elfenbeinküste und Ghana seit der Ernte 2020/21 Mechanismen zur Festsetzung von Preisrahmen eingeführt, um einen Mindestpreis für Kakaobohnen zu garantieren, der an die Produzenten gezahlt wird. Diese Mechanismen sehen einen Preisaufschlag (LID - Living Income Differential) in Höhe von 400 US-Dollar pro Tonne vor, der von allen Kakaokäufern, darunter auch Valrhona, gezahlt wird. Trotz der Bemühungen der Staaten ist die Regulierung der Preise schwierig und sie garantiert den Kleinbauern nicht immer ein ausreichendes Einkommen.

Wir bei Valrhona sind uns bewusst, dass diese Mindestpreise nicht ausreichen, um einen angemessenen Lebensstandard zu gewährleisten, und wir handeln in diesem Bewusstsein.

Côte d'Ivoire producteurs

Gemeinsames Engagement

UNTERZEICHNUNG DER IFCD – FRANZÖSISCHE INITIATIVE FÜR NACHHALTIGEN KAKAO

Wir sind Teil der französischen Initiative für nachhaltigen Kakao, die 64 Mitgliedsunternehmen des Syndicat du Chocolat, die französische Regierung, NGOs und Forschungsinstitute aus der Kakao- und Schokoladenbranche in Frankreich vereint. Der Beitritt zu dieser Plattform steht im Einklang mit Initiativen in anderen europäischen Ländern wie Beyond Chocolate (Belgien), Gisco (Deutschland), Swisco (Schweiz) und Disco (Niederlande).

Wir sind uns der komplexen und tiefgreifenden sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Herausforderungen der Kakaobranche bewusst und wollen gemeinsam und partnerschaftlich mit allen Akteuren des französischen Kakaosektors zusammenarbeiten, um unsere Maßnahmen effektiver zu gestalten. Die Unterzeichner der Initiative verpflichten sich zu drei konkreten Zielen:

  1. Verbesserung des Einkommens der Kakaoproduzenten, damit sie bis 2030 ein angemessenes Einkommen erhalten.
  2. Einstellung der Versorgung mit Kakao aus entwaldeten Gebieten bis 2025.
  3. Beschleunigte Bekämpfung der Kinderarbeit im Bereich der Versorgung der französischen Kakaobranche bis 2025.

Darüber Hinausgehendes Engagement und Massnahmen von Valrhona

1. PREIS FÜR EIN ANGEMESSENES EINKOMMEN

Wir werden die Zahlung eines fairen Preises in 100 % unserer Kaufverträge mit allen unseren Lieferanten/Partnern fortsetzen und verbessern.

Der gezahlte Preis muss zu einem existenzsichernden Einkommen des Produzenten beitragen. Das existenzsichernde Einkommen ist „das jährliche Einkommen, das ein an einem bestimmten Ort ansässiger Haushalt benötigt, um für alle Mitglieder dieses Haushalts einen angemessenen Lebensstandardsicherzustellen.“ Unverzichtbare Bestandteile eines angemessenen Lebensstandards sind Nahrung, Wasser, Unterkunft, Bildung, Gesundheitsversorgung, Transport, Kleidung sowie weitere Grundbedürfnisse.

Quelle: Baromètre-du-Cacao-2022.pdf (cocoabarometer.org)

Kakaobauer in der Elfenbeinküste

2. INTERNATIONALE FAIR-TRADE-ZERTIFIZIERUNG

Bis 2030 werden wir unsere Kaufverträge mit unseren Partnerlieferanten auf eine Zertifizierung nach international anerkannten Fairtrade-Standards (wie Fairtrade, Fair for Life, SPP etc.) umstellen, die einen fairen Preis garantieren.

Eine Fair-Trade-Zertifizierung ist ein Prozess, bei dem eine unabhängige Stelle überprüft, ob ein Produkt oder eine Organisation die für den fairen Handel festgelegten Standards einhält. Diese Standards sollen sicherstellen, dass die Produzenten fair behandelt werden und einen fairen Preis für ihre Produkte erhalten. Die Zertifizierungen decken verschiedene Aspekte ab, wie beispielsweise die Arbeitsbedingungen der Produzenten, nachhaltige landwirtschaftliche Praktiken sowie soziale und ökologische Kriterien.

Kakaobauer in der Elfenbeinküste

100% der eingekauften Kakaobohnen

sollen auf der Grundlage international anerkannter Standards für fairen Handel zertifiziert werden: wie Fairtrade, Fair for Life oder SPP (Symbole des Producteurs Paysans Producteurs).

100% der eingekauften Kakaobutter und des eingekauften Kakaopulvers

sollen auf der Grundlage von Fairtrade-Standards (z. B. Fairtrade) oder einem Nachhaltigkeitssiegel (z.B. Rainforest Alliance) zertifiziert werden.

100% der eingekauften Schokolade

soll auf der Grundlage von Fairtrade-Standards (z. B. Fairtrade) oder Nachhaltigkeitssiegeln (z. B. Rainforest) zertifiziert werden.

Porträt unserer Sourceurs

Erfahren Sie durch Julien Desmedt, Sourceur für Kakao bei Valrhona, mehr über die Maßnahmen, die von Valrhona in Haiti ergriffen werden, um das Einkommen der Kakaobauern zu verbessern.

Julien Desmedt

In Westafrika und insbesondere in Ghana und der Elfenbeinküste, sind nach Schätzungen der NGO International Cocoa Initiative 1,56  Millionen Kinder gezwungen, bei ihren Familien zu arbeiten. Wir bei Valrhona sind uns bewusst, dass noch mehr getan werden muss und dass wir alle Mittel einsetzen müssen, um Kinderarbeit zu bekämpfen. 

Seit 2014 engagiert sich Valrhona in Programmen, die den Zugang zu Bildung erleichtern und verbessern. Seit 2014 sind 14  Schulen in der Elfenbeinküste, Ghana, der Dominikanischen Republik und Venezuela mit insgesamt 65 Klassenzimmern gebaut und renoviert worden, sodass nun 2 555 Schüler beschult werden können.

Von Valrhona gebaute Schule in der Elfenbeinküste

Valrhona stützt sich auf seine langfristigen Beziehungen zu seinen Partnern und Produzenten, um sie in diesem Kampf gegen die Entwaldung und die Erderwärmung zu unterstützen.  Wir verpflichten uns, keine Parzellen in geschützten Gebieten zu bewirtschaften, und stützen uns auf die Kartierung aller Parzellen unserer Partnerproduzenten, um dies zu überprüfen.

Gleichzeitig verpflichten wir uns, CO2-Emissionen in allen Emissionsscopes zu reduzieren: Ziel ist es, die CO2-Emissionen bis 2030 um 50  % im Vergleich zu 2018 zu senken. Hierfür haben wir in Zusammenarbeit mit der NGO Nitidae ein Programm zur Berechnung des CO2-Fußabdrucks von Kakao direkt in den Anbaugebieten, aus denen wir unsere Bohnen beziehen, ins Leben gerufen. Seit 2023 werden im Rahmen dieses von der NGO geleiteten und zertifizierten Programms Untersuchungen durchgeführt, um das Risiko der Entwaldung über einen Zeitraum von 20 Jahren zu qualifizieren und zu quantifizieren.

Wald Belize

Wir bei Valrhona wissen, dass es sich hierbei um eine vorrangige Herausforderung handelt, um den Kakaoanbau langfristig zu erhalten. Daher sind wir dafür verantwortlich, unsere Kakaoproduzenten bei diesen agrarökologischen Praktiken zu unterstützen. 

Seit 2015 sind wir Gründungsmitglied des Projekts „Cacao Forest֧, einer innovativen und branchenübergreifenden Initiative, die darauf abzielt, im Rahmen der Agroforstwirtschaft eine nachhaltige Kakaobranche zu schaffen. Zwischen 2015 und 2022 wurden verschiedene agroforstwirtschaftliche Modelle in der Dominikanischen Republik getestet, aus denen man die leistungsfähigsten identifizierte und aufbereitet, um im ganzen Land umgesetzt zu werden. Seit 2023 wird im Rahmen des Programms Cacao Forest ein Vorschlag für die Elfenbeinküste erarbeitet.

Kakaoplantage Madagaskar

Die Rückverfolgbarkeit ist eine notwendige Voraussetzung, damit wir unsere Strategien und Ambitionen im Bereich unserer umwelt- und sozialverantwortlichen Vorhaben umsetzen können. Sie ermöglicht es uns, unsere Maßnahmen vor Ort zu überwachen, zu verstärken und zu steuern

100% der Kakaobohnen von Valrhona sind vom Produzenten zurückverfolgbar. Um noch einen Schritt weiter zu gehen, verpflichtet sich Valrhona, die Rückverfolgbarkeit bis zur einzelnen Parzelle auszudehnen. Bis Ende 2022 sind 60 % unseres Volumens geolokalisiert und kartiert worden, d. h. die Parzellen von 6.951 Produzenten sind auf 11 441 Hektar kartiert worden. 

Kakao